Die Pedalonauten in der Tüüfner Post

Ein Artikel über die Pedalonauten erscheint in der Tüüfner-Post, unserem Heimat und Abfahrtsort.

Von Timo Züst

Der 40-jährige Wilfried Seethaler und sein 10-jähriger Sohn Wendelin sind seit dem 1. Mai mit dem Fahrrad unterwegs Richtung Norden. Ihr Ziel: das Nordkap. Bis Ende Juli wollen sie die über 3500 Kilometer zurücklegen.

Ein genauer Blick auf „Wendelins top-aktuelle Tagesstatistik“ zeigt: Die beiden Fahrrad-Abenteurer hatten kein einfaches Wochenende. Nach einem Pausentag am Freitag, legten sie am Samstag 75,6 Kilometer zurück. Eine stattliche Leistung. Und deutlich über dem bisherigen Tagesschnitt von knapp 60 Kilometer. So weit, so gut. Das entscheidende Detail findet sich aber in der letzten Spalte der Tabelle. Dort verzeichnet der 10-jährige Wendelin jeweils die Tagesstimmung. Auf einer Skala von 1 bis 10. An den meisten Tagen findet sich dort eine Zahl zwischen 7 und 10. An jenem Samstag war es aber nur eine 4. „Das war unser erster Tag mit richtig schlechtem Wetter. Aber wir mussten die Strecke zur gebuchten Jugendherberge trotzdem zurücklegen. Das war ein ziemlicher Kampf“, erzählt Wilfried Seethaler am Telefon. Wer ihn erreichen will, muss sich voranmelden. Denn seit 15 Tagen ist der Teufner mit seinem Sohn Wendelin auf einer grossen Abenteuerreise. Sie wollen bis Ende Juli das Nordkap erreichen – auf dem Fahrrad.

Homeschooling und Planung

Eine solche Reise setzt einiges an Vorbereitung und Planung voraus. Auch weil der 10-jährige Wendelin noch im Landhaus zur Schule geht. „Ich habe schon vor über einem Jahr zum ersten Mal mit der Schulleiterin gesprochen. Sie war sehr nett und offen für die Idee“, erzählt Wilfried Seethaler. Der nächste Schritt war ein Gesuch an die Schulleiterkonferenz. Auf rund einer A4-Seite erklärte der Vater sein Vorhaben. „Schon drei Wochen später hatte ich das Okay. Es war super unkompliziert“, sagt er. Einzige Bedingung: Wendelin muss während der Reise den Schulstoff trotzdem beigebracht bekommen. Teil des Gepäcks sind deshalb auch einige Schulbücher für die Fächer Englisch, Mathematik, Deutsch und Französisch. „Ich denke das Thema ‚Mensch und Raum‘ decken wir sowieso genügend ab“, sagt Wilfried Seethaler lachend. Der kleine Wendelin war übrigens von Anfang an „Feuer und Flamme“ für die Idee. Und er bringt auch den nötigen jugendlichen Eifer mit in die Unternehmung: „Er ist sehr ehrgeizig. Für ihn kommt es nicht in Frage, dass wir es nicht ans Nordkap schaffen.“

Zurück im Privatflieger?

Die zwei Reisen mit möglichst leichtem Gepäck – trotzdem muss der Vater einen Anhänger ziehen. Wendelin strampelt derweil auf einem eigenen Fahrrad. Ihr Ziel ist ein möglichst konstanter Reiserhythmus. „Wir versuchen immer drei bis vier Tage am Stück zu fahren und dann einen Tag zu pausieren.“ Gelingt es ihnen, diesen „Pace“ und ihre Durchschnittkilometer in den kommenden zwei Monaten aufrecht zu erhalten, sollten sie das Nordkap erreichen. „Das haben wir natürlich ausgerechnet“, bestätigt Wilfried Seethaler. Die rechtzeitige Ankunft könnte nebst dem verdienten Stolz aber noch einen anderes „Zückerli“ für die beiden bedeuten. „Mein Schwager ist ein leidenschaftlicher Hobbypilot und wollte schon immer ans Nordkap fliegen. Nun plant er die Reise so, dass wir gleichzeitig dort ankommen könnten.“ Für Wilfried und Wendelin würde das bedeuten: Sie könnten im kleinmotorigen Privatflugzeug auf Aussichtshöhe zurück in die Heimat fliegen. „Das wäre natürlich ein weiteres Highlight.“

Kosten und Ferien

Wenn Wilfried Seethaler nicht gerade auf dem Fahrrad durch Europa reist, arbeitet er bei „Transa Travel & Outdoor“ in St. Gallen. Sein Arbeitgeber hatte ihn bei der Planung der Reise unterstützt. Die Zeit von Anfang Mai bis zum 5. August konnte er mit einer Kombination aus aufgelaufenen und unbezahlten Ferien überbrücken. Die Vorbereitungen für die Reise – inklusive des Kaufs eines neuen Fahrrads für Wendelin – kosteten Wilfried Seethaler rund 4000 Franken. Dazu kommen bis Ende Juli, so schätzt er, noch rund 8000 Franken für Übernachtungen, Essen, Eintritte bzw. Tickets und die Rückreise. Im Grundsatz leben die beiden aber sehr günstig: „Wann immer möglich schlafen wir im Zelt. Aber manchmal buchen wir doch auch ein Zimmer“, erzählt Wilfried Seethaler. Eine gute Möglichkeit an günstige Übernachtungsmöglichkeiten zu kommen, sei die Internetplattform „warm showers“. „Ein schöner Nebeneffekt davon ist, dass man so immer neue Leute von der Gegend kennenlernt. So nimmt man die Reise noch bewusster wahr.“