Norsjö

Zu Besuch beim Oligarchen.

Pause in Norsjö. Die haben wir uns verdient. Wendelin schläft bis halb 2 Uhr mittags. Auf dem Campingplatz hat es einige Russen. Sie scheinen keine Gäste zu sein, ich nehme an, sie arbeiten als Saisonarbeiter für Charley, den Besitzer des Campingplatzes. Ich nenne ihn heimlich den Oligarchen. Er ist gross, behäbig und hat eine bestimmende Ausstrahlung. Er ist in der Bergbaubranche tätig, hier in der Gegend gibt es viele Bergwerke. Der Campingplatz, erzählt er mir, ist sein Hobby. Am Abend lädt er uns auf eine abendliche Angeltour auf seine selbstgebaute schwimmende Insel ein. Dabei handelt es sich um ein riesiges Floss, ausgestattet mit einigen Couchgarnitouren, einer Musikanlage, einem Kühlschrank und einem Aussenbordmotor. Letzterer lästs sich bequem vom Sofa aus per Fernbedienung steuern. Katrin, seine Frau, und Nikolai, einer seiner Mitarbeiter, sind auch mit dabei. Charley gibt ihm vom Sofa aus Anweisungen. Mehr Leine lassen, jetzt einziehen. Der Abend könnte nicht schöner sein. Es ist windstill und warm, wir gleiten über den See und hören dazu Gitarrensolos von Gary Moore und Eric Clapton. Charley spielt Luftgitarre dazu. Beim Zurückfahren bekommt Wendelin die Kapitänsmütze und die Verantwortung für das Schiff. Er bringt uns sicher in den Hafen zurück. Gefangen haben wir nichts, ausser ein paar kleineren Fischen, die wir wieder zurück ins Wasser gesetzt haben, aber wenn schon, es war ein wunderbarer Abend, wen kümmert es. Dann gibt es eben Spaghetti. Weisst du, sagt Wendelin nach dem Abendessen, wenn das WLAN besser wäre, wäre das ein richtig guter Campingplatz.