Es geht um die Wurst

Der Ent

Unser heutiges Ziel ist Falun, im 16. und 17. Jahrhundert eine der bedeutendsten Städte Schwedens, vor allem wegen der riesigen Kupfermine, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Als Nebenprodukt des Kupferabbaus entstand nicht nur das Falun-Rot, dass, wie wir bereits gehört haben, zwei Drittel aller schwedischen Häuser schmückt, sondern auch ein weiteres schwedisches Kulturerbe, die fabelhafte Falukorv. Wer im Supermarkt an den Kühlregalen vorbeischlendert, muss erst einmal ein paar Laufmeter Falukorv hinter sich bringen, bevor andere Produkte zum Vorschein kommen, erstere sind leicht erkennbar an der kupferroten(!) Farbe der Wursthaut. Die Wurst ähnelt im Geschmack der deutschen Extrawurst, vom nationalen Status aber eher der schweizerischen Cervelat oder der OLMA-Bratwurst. Man isst sie in Scheiben gebraten oder einfach so auf dem Brot, gerne auch als Falukorv Stroganoff, eine Variante die uns als Nationalfeiertags-Dinner sehr passend schien und zugegebenermassen vorzüglich mundete.
Was aber hat nun eine Wurst mit einer Kupfermine zu tun? Hier kommt die Antwort: für die Aufzüge, mit denen in grossen Körben das Erz aus der Mine befördert wurde, brauchte man lange Seile aus Leder. So ein Seil war bis zu 150 Meter lang und bis zu 200(!) bedauernswerte Ochsen mussten ihr Leben dafür lassen. Was macht man in einer Stadt mit ein paar tausend Einwohnern mit dem Fleisch von 200 Ochsen? Man macht Wurst daraus und verkauft sie in Stockholm. Möglicherweise waren es deutsche Arbeiter, die auf diese glorreiche Idee kamen, vielleicht erklärt sich dadurch auch die geschmackliche Ähnlichkeit zur Extrawurst.
Müde und hungrig kommen wir abends am Campingplatz in Falun an. Den ganzen Vormittag hat es geregnet, zum Glück wurde es am Nachmittag trockener. Der Campingplatz liegt direkt im Sport- und Trainingszentrum, gerade neben den Skisprungschanzen. In Falun befindet sich nämlich auch der Sitz des schwedischen Skiverbandes. Die Stadt war bereits viermal Austragungsort der Nordischen Skiweltmeisterschaften, zuletzt 2015.
Schnell das Zelt aufgestellt und mit dem Essens-Sack in die Küche. Wie bitte? Keine Falukorv mehr? Na, dann kochen wir halt Köttbullar.